Netzagentur weist auf Risiken bei Atomausstieg hin
08.06.2011,Die Bundesnetzagentur hat erneut auf erhebliche Risiken in Folge des Atomausstiegs hingewiesen. Der Präsident der Bundesbehörde Matthias Kurth sagte am Mittwoch im Gespräch mit der Thüringer Allgemeinen Zeitung, es müsse schnell sowohl in Leitungs- als auch in Kraftwerkskapazitäten investiert werden, um die Situation nach dem Atommoratorium zu beherrschen. Durch das seit März geltende Atom-Moratorium, nach dem acht Atomkraftwerke vom Netz gegangen sind, betreibe die Behörde gemeinsam mit den Netzbetreibern durch Schaltungen im Netz, das Verschieben von Wartungsarbeiten, Kraftwerksan- und -abschaltungen sowie andere Regulierungsmaßnahmen Mangelverwaltung. Er halte daher auch die Warnungen vor möglichen Stromausfällen für seriös.
Zwar sei gegenwärtig aufgrund der erfahrungsgemäß geringen Stromnachfrage um Pfingsten sowie der die erneuerbaren Energien begünstigenden Wetterlage derzeit genug Strom im Netz, Im Winter könne die Lage allerdings schnell anders aussehen. Durch die Energiewende werde Deutschland zudem immer abhängiger von Energieformen, die vom Wetter abhängen. Kurth sagte weiter: „In manchen Momenten produzieren die Windparks und die Solaranlagen so viel Strom wie 28 Atomkraftwerke zusammen. Das ist enorm. Doch das sind jene Momente, in denen die Sonne scheint und der Wind bläst. Doch was passiert, wenn es dunkel und windstill ist?“ Kurth sagte weiter, es sei dringend nötig, zügig die Leitungsnetze auszubauen, um die sich erhöhenden Stromschwankungen und Stromflüsse bewältigen zu können. „Wir brauchen noch Tausende von Kilometer Leitungsnetz - und dies mit einem beschleunigten Planungsverfahren binnen der nächsten vier Jahre. Ansonsten wird die Energiewende nicht funktionieren.“
Auf Risiken beim Atomausstieg hatte die Bundesnetzagentur bereits im Mai in einem Zwischenbericht zu den Auswirkungen des Atommoratoriums hingewiesen.Vor allem im Süden könnten im Winter Kraftwerkskapazitäten fehlen. Außerdem sei die Speicherkapazität zum Beispiel in Pumpspeicherwerken bei weitem nicht ausreichend, um den aus Wind und Sonne gewonnenen Strom über längere Zeiträume speichern zu können. Gleichwohl stünden sowohl im Sommer 2011 als auch im Winter 2011/12 gerade noch genügend Kapazitäten zur Verfügung, um die Versorgungssicherheit gewährleisten zu können.
Ein weiterer Effekt des Moratoriums sei, dass Deutschland seine Pufferfunktion im europäischen Stromnetz verloren hat, die es bisher durch hohe Grundlastkapazitäten hatte. In Zeiten geringer Sonneneinstrahlung beispielsweise müsse Deutschland zur Zeit stets Strom importieren. Einen drohenden weiteren Strompreisansteig sieht die Bundesnetzagentur derzeit nicht. Zwar sei der Strompreis nach dem Moratorium leicht angestiegen, doch sei das ein einmaliges Ereignis geblieben.
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