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Variable Stromtarife - Anreiz zum Stromsparen?

29.06.2011, Es ist eine Innovation, die sich der Gesetzgeber da ausgedacht hat, die vom Prinzip her gar nicht so dumm ist - variable Strompreise, die Verbrauchern Anreize bieten, Strom zu sparen oder dann Strom zu verbrauchen, wenn die sonstige Nachfrage gering ist. Beides ist eine volkswirtschaftliche Notwendigkeit. Denn Stromsparen kann einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz und zur Bewältigung der Energiewende leisten, während die Verlagerung eines Teils des Verbrauchs in nachfrageärmere Tageszeiten einen Beitrag leisten kann, das Ungleichgewicht zwischen Stromangebot und -nachfrage, das sich durch Sonnen- und Windnutzung vergrößert, auszugleichen.

Deshalb sind Energieversorger durch das Energiewirtschaftsgesetz verpflichtet, Endkunden ab 2011 variable Tarife anzubieten, „soweit technisch machbar und wirtschaftlich zumutbar“. Doch Anspruch und Wirklichkeit klaffen noch weit auseinander. Zwar haben die meisten Energieversorger inzwischen Tarife im Angebot, die unterschiedliche Preise für unterschiedliche Tageszeiten beinhalten. Doch nach Untersuchungen der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westphalen ist das Instrument bisher ein Papiertiger. Die Verbraucherzentrale hatte 46 Stromversorger in NRW befragt und die Tarife analysiert. Herausgekommen ist, dass trotz eingeführter variabler Tarife bisher wenig Anreize bestehen, Strom zu sparen. Denn es rechnet sich einfach nicht oder erst sehr spät, beispielsweise erst, wenn der Kunde ein Viertel seines Stromverbrauchs in preisgünstigere Nachtzeiten verlegt.

Die Verbraucherschützer haben zwei konkrete Vorschlage: Erstens könne wesentlich besser zum Stromsparen animiert werden, wenn die Grundgebühr, die es in vielen Stromtarifen gibt, abgeschafft würde. Sie sei eine verbrauchsfördernde Komponente. Angebote ohne Grundgebühr seien wesentlich übersichtlicher und erleichterten den Preisvergleich. Der zweite Vorschlag kommt auf die Verschiebung des Stromverbrauchs zurück. Effiziente Systemlösungen mit intelligenten Stromzählern und Haushaltsgeräten könnten Kunden und Versorgern das individuelle Strommanagment erleichtern.

Vielversprechend ist hier eine Initiative des Fraunhofer-Instituts für Windenergie und Energiesystemtechnik (IWES) in Kassel. Die Forscher hatten die Idee, Verbraucher und Versorger mit den Leitstellen der Netzbetreiber zu verbinden, um einen variablen Strompreis permanent beobachten und im richtigen Moment beispielsweise die Spülmaschine starten zu können. Sie entwickelten eine Java-basierte frei erhältliche Open-Source-Plattform für Energiemanagement namens OGEMA. Damit man nicht nachts aufstehen muss, um im richtigen Moment die Waschmaschine anzustellen, haben die Forscher zusätzlich für das OGEMA-Framework eine Software namens BEMI (Bidirektionales Energiemanagement-Interface) programmiert, welche diese Aufgabe übernimmt und Geräte wie Kühlschrank, Waschmaschine, Wärmepumpe und Klimaanlage automatisch steuert. In Zukunft könnte auch die Stromversorgung des Elektroautos in der Garage derart gesteuert werden - so würden die Fahrzeuge nicht nur günstig aufgeladen, sie könnten auch als Pufferspeicher im Stromnetz dienen.

Die weit verbreitete Anwendung ist sicherlich noch Zukunftsmusik, ebenso wie Stromtarife, die so flexibel sind, dass sie quasi interaktiv in Echtzeit zustande kommen. Doch bemühen sich die Forscher, mit der OGEMA-Allianz ein Netzwerk aufzubauen, das die Idee auf breitere Beine stellen soll. Erste Stromanbieter wie der Mannheimer Energieversorger MVV und der Solargroßhändler Entrason sind auch schon beigetreten. Setzt sich die Software durch und wird im Open-Source-Bereich weiterentwickelt, könnte sie eine Revolution im Endkundengeschäft bei Strom auslösen. Ähnlich wie seinerseits der MP3-Standard für digitale Musik. Auch der ist ein Kind der Fraunhofer-Gesellschaft.

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